Low energy

Von einigen verdienten Ausnahmen auf Regional- und Landesebene abgesehen war der Bundestagswahlkampf der AfD wenig mitreißend. Der Partei ist es nicht gelungen, eine inspirierende Vision oder ein gemeinsames Gefühl der Veränderung bei ihren Anhängern und Unterstützern zu erzeugen während die Öffentlichkeit gleichzeitig von antifaschistischer Hysterie beherrscht wurde.

Im Gegensatz zum EU-Wahlkampf im letzten Sommer gab es keine tiktok Kampagne im Akkord mit dem Vorfeld oder virales social media Marketing. Auch die Abgliederung der JA und das fehlen gezielter Jugendansprache dürften empfindlich Stimmen gekostet haben. Allgemein scheint der Verzicht auf „radikale“ Positionen und das vorbeugende Anbiedern an die Union als Juniorpartner nicht notwendig mehr Zustimmung in der Bevölkerung zu finden.

Die alte Leier: Kampf dem „Faschismus“

Das System und besonders die Linkspartei ritten dagegen auf der altbewährten „nie wieder“ Welle. Da immer noch viele Menschen die altbackene NS-Schuldrhetorik ernst nehmen, waren die entsprechenden Demonstrationen gut besucht und man konnte das weit verbreitete Gefühl beobachten, Teil eines historischen Ereignisses zu sein, nämlich der Abwehr des wiedererstarkenden Faschismus.

Offensichtlich ist dieses Narrativ Quatsch. Die Massenveranstaltungen wurden staatlich gefördert und inszeniert, die Teilnehmer wirkten wie äußerst naive und konformistische Lemminge und Mitläufer. Außerhalb der gemeinsamen Front gegen die AfD verbindet die Altparteien der „Brandmauer“ inhaltlich wenig und ihre Abwehr „gegen rechts“ ist rein negativer und verneinender Natur. Allerdings kann der erfolgreichen Kampagne ihre Wirksamkeit nicht abgesprochen werden. Anstelle die Dummheit der Wähler zu kritisieren, die trotz Magdeburg, München und Aschaffenburg weiter die gleichen Systemparteien wählen und in der AfD die größte Gefahr für „die Demokratie“ erblicken, sollten nüchtern und sachlich die Gründe hierfür untersucht werden.

Mitreißender Wahlkampf

Erfolgreiche Wahlkampagnen vermitteln ein Gefühl von Gemeinschaft, sinnstiftender Bedeutung außerhalb des Alltags und Optimismus für die Zukunft. Sie sprechen emotionale Grundbedürfnisse der Menschen an und weisen gemeinsam in eine bessere Zeit, wenn auch nur illusorisch. Klassische Beispiele sind etwa die Anziehungskraft von charismatischen, (männlichen) Führungspersonen einer Bewegung, eingängige Schlagworte und einprägsame Symbole. Gemeinsame Veranstaltung mit Ritualen wie dem Absingen von Hymnen und bestärkende Resonanzräume wie im Internet verstärken den Effekt noch. Außerhalb davon sind das hinwirken auf ein (utopisches) Ziel in der Zukunft und die angenommene Bedeutung in politischer oder gar historischer Hinsicht von immenser Bedeutung.

Solche Faktoren wirken auf intuitiver ebene deutlich stärker als sachlich korrektes „im Recht sein“ oder blasierte Besserwisserei. Ein rhetorisch gelungener Konter, neudeutsch ein „own„, in einer talkshow oder sonst wo in der Öffentlichkeit ist vielfach einprägsamer als die bloß sachliche Richtigkeit des Gesagten. Moralisch und faktiv ist die AfD im Recht, nur muss diese Tatsache noch lange nicht auch politischen Erfolg bedeuten. Über diese Umstände zu klagen ist nur ein Eingeständnis von Schwäche und Handlungsunfähigkeit. Stattdessen sollten auch unter Zuhilfenahme von Beobachtungen über den Erfolg der politischen Gegner Lektionen für die Zukunft gezogen werden.

Für die AfD sollte das konkret bedeuten: Weniger Rechthaberei und altkluges moralisieren in der Außendarstellung und stattdessen Aufbruchstimmung und das Gefühl, Teil einer großen Bewegung zu sein, die die Zukunft verändern wird.