Ist es over? Die Zukunft der JA

Die Junge Alternative wird aller Voraussicht nach in kürze entweder administrativ an die AfD angegliedert werden oder aufgelöst und durch eine alle Parteimitglieder unter 35 Jahren umfassende neue Parteijugend ersetzt werden, analog zu den Jungsozialisten der SPD. Diese Entwicklung hat schwerwiegende Auswirkungen auf die größte patriotische Jugendorganisation in Deutschland und die patriotische Bewegung überhaupt.

Die Verbotsgefahr ist das Damoklesschwert, das über allen dissidenten Strukturen schwebt, wie das compact Verbotsverfahren eindrucksvoll gezeigt hat. Diese Gefahr ist auch der Grund, warum die JA, die zwar die offizielle Parteijugend der AfD darstellt, rechtlich aber auch Verein ausgelegt werden könnte, nun an die AfD angegliedert werden soll, zumindest pro forma. Denn während der Berichterstattungen über ein mögliches JA Verbotsverfahren kamen bedauerlich wenig Solidaritätsbekundungen von Seiten der Partei, weshalb die Vermutung aufkommen könnte, dass die JA unter dem Vorwand des Schutzes quasi entmachtet werden soll.

Angliederung an die AfD

Grundsätzlich wäre eine engere Anbindung der JA an die Partei eigentlich kein Problem, da die JA als Jugendorganisation der AfD von Natur aus der Partei eng beigeordnet ist. Allerdings würden die geplanten Umstrukturierungen unter den bestehenden Machtverhältnissen und mit den bisher verlautbarten Maßnahmen zum einen den Verlust von programmatischer und aktionistischer Eigenständigkeit bedeuten, die einer Jugendorganisation eigentlich zustehen sollten. Zum anderen würde die die Eingliederung wahrscheinlich begleitende größere Kontrollvollmacht von Parteifunktionären über die JA einen Verlust von Einfluss des weltanschaulichen gefestigten Lagers insgesamt bedeuten, das zwar in der JA vorherrscht, was in der Partei jedoch keineswegs der Fall ist.

Partei und Vorfeld

Die Konzentration von Teilen der JA auf Verbindungen zum metapolitischen Vorfeld und der dadurch bedingt geringere Fokus auf die Parteiarbeit und den „Parlamentspatriotismus“ rächen sich jetzt. Der liberale Teil der AfD war und ist hier im Vorteil, da dieser seit eh und je die parteipolitische Organisation als Vehikel für politische Arbeit betrachtet hat, was aus dem Kalkül einer moderat konservativen Warte auch Sinn macht. Der weltanschaulich gefestigte Teil der AfD und JA hat hingegen, durch die Betonung von und den Einsatz für das außerparlamentarische Vorfeld und Umfeld, viele gute Leute und Ressourcen außerhalb der Partei verwendet, was den eigenen Stand in der Partei geschwächt hat und ab einem Grad auch dem Sinn einer Parteijugend zuwiderläuft.

Diese Tendenz zeigt sich etwa darin, dass gerade einmal die Hälfte der JAler auch Mitglied in der Mutterpartei sind. Anzustreben wären hier aber ein deutlich höherer Anteil und auch die vermehrte Übernahme von Funktionärsposten, von einigen verdienten Ausnahmen abgesehen. In Landesverbänden, in denen JA Mitglieder fest in die Mutterpartei integriert sind und selber Verantwortung übernehmen sowie entsprechend Einfluss ausüben, ist von Distanzierung und Auflösungsforderungen wenig zu hören.

Außerparlamentarische Aktivistengruppen, Verlage, Medienprojekte etc. haben offensichtlich ihre Berechtigung, brauchen aber einer Lobby in der Partei, um nicht ausgegrenzt zu werden und langfristig auch ihre volle Wirkung entfalten zu können. Denn ohne eine starke Lobby und entsprechenden machtpolitischen Einfluss für das Vorfeld in der Partei wird sich einfach weiter distanziert.

Der Weg nach vorn

Der endgültige Durchbruch patriotischer und nationaler Ideen lässt sich durch das Ziel der Regierungsbeteiligung einer patriotischen Partei ermöglichen, wodurch gleichzeitig auch Vorfeldprojekte weitaus größere Handlungsmöglichkeiten erhalten. Allerdings wird die Parteilinie der AfD wohl in Zukunft erst einmal entschärft werden. Jedoch sollten in diesen Fragen keine weltanschaulichen Absolutheitsmaßstäbe angelegt werden, auch eine weniger „radikale“ AfD wird viele Möglichkeit öffnen können, negative Entwicklungen in Deutschland deutlich ins Bessere zu kehren. Was von einer AfD und in Zukunft wohl auch neuformierten Parteijugend unter der Ägide Weidels zu halten ist, wird sich zeigen. Aber die AfD ist und bleibt eben immer noch auch die Partei von Höcke, Krah und Helferich.

Es gibt also keinen Grund für Niedergeschlagenheit oder gar fürs Aufgeben. Selbst der worst case einer „Kastration“ der JA sollte nicht dazu führen, notgedrungen in andere Organisationen auszuweichen. Zwar ist kurzfristig von einem Profilierungsverlust auszugehen, aber die Umstände unter denen die Partei die JA mutmaßlich um größerer Kontrolle willen enger an sich binden möchte lassen sich auch nur innerhalb der Partei beheben.

Die AfD im gegenwärtigen Zustand wird sich auch weiterhin von der IB oder anderen Gruppen und Strukturen distanzieren oder solche Gruppe werden einfach verboten. Die zunehmende Repression gegen die IB mit völlig überzogenen Hausdurchsuchungen und sogar erstmalig Haftstrafen weisen in ein ähnliches Repressionsklima wie es der NW erdulden muss und somit in die politische Bedeutungslosigkeit.

Rein in die Partei

Stattdessen sollte die Angliederung der JA der Anlass sein, sich, sofern nicht schon geschehen, in der Partei einzubringen und dort weiter zu wirken. Im Wahlkampf und bei der politischen Arbeit ist der Einsatz junger und idealistische Parteileute wegen ihrer Einsatzbereitschaft und Fitness unerlässlich. Nächtliches Plakatieren, robustes Auftraten bei Infoständen und auf Demos lässt sich nicht von Boomern bewerkstelligen. Schon so kann die Jugend in der Partei Einfluss ausüben, etwa durch die Entscheidung, welche Kandidaten unterstützt werden und welche nicht.

Aktivismus mit hoher Repressionsgefahr sollte aber heruntergefahren werden, um keine unnötige Angriffsfläche zu bieten und sich stattdessen auf Basis- und Grundlagenaktivismus konzentriert werden. Das aktivistische Auftreten wirkt attraktiv auf die immer noch weiter nach rechts neigende deutsche Jugend, die von einer JU 2.0 und entsprechenden Charakteren sicher nicht abgeholt werden wird. Am wichtigsten ist es aber, in der Partei Funktionen zu übernehmen, um hier Machtpositionen aufzubauen und so weiter Einfluss auf die Entwicklungen in der Partei ausüben zu können. Auf diese Weise können verzerrte Vorstellungen über die JA bei älteren Parteikollegen auch durch vorbildliches Verhalten abgetragen werden.

Stand jetzt sind allerdings immer noch nur etwa die Hälfte der JA Mitglieder auch Mitglied in der Partei. Bei der wie auch immer gearteten Übernahme der JA-Mitglieder in die neue Jugendorganisation oder in die Partei muss aber leider von Seiten einiger Personenkreise innerhalb der AfD mit Aufnahmehemmnissen gerechnet werden. Deshalb haben lose, autonome Gruppen und Bekanntenkreise neben der Partei eine hohe Bedeutung sowie Kontakt und Unterstützung zu stabilen Parteileuten um weiter politisch wirken zu können und die Machtverhältnisse langfristig zu ändern.