Die Welt als Ganzes ist nicht mit dem Verstand zu begreifen. Das Sein gehorcht weder logischen Gesetzen, noch ist es vollständig über Konstruktionen der Vernunft zu erfassen. Nur durch Anschauung und Erfahrung sowie über Intuition ist das organische Leben erfahrbar.
Abendländischer Rationalismus
Der Rationalismus ist eine erkenntnistheoretische Sackgasse. Um dem Sein vollständig gerecht zu werden, muss die Welt phänomenologisch betrachtete werden. Rationalität kann dabei nur ein Werkzeug zum begrenzten Weltverständnis sein. Sie ist dann gewinnbringend, wenn sie funktionsorientiert angewandt wird, etwa in den Naturwissenschaften oder zur Nutzbarmachung der Technik. Dort hat eine mechanisch-rationale Betrachtungsweise ihre Berechtigung, weil das Objekt der Betrachtung nur tote Materie ist, dessen Eigenschaften sich rational-theoretisch modellieren lassen. Deshalb besitzt der verstandesmäßige Weltzugang in der europäischen Kultur auch zurecht einen hohen Stellenwert, entgegen dem asiatisch-orientalischen Wunderglauben. Mittels der Beherrschung der Natur und Technik hat sich der weiße Mann die Welt untertan gemacht.
Aber die größten Denker der deutschen und europäischen Kultur, Kant und Goethe, haben diesem Anwendungsraum mit ihrer Vernunftkritik und folgerichtig einer phänomenologischen Naturanschauung einen angemessenen Rahmen gesetzt. Über diese Grenze hinaus, also auch bei allen ethischen und ontologischen Grundsatzfragen, töten abstrakte Verstandeskonstruktionen, anstelle der Erfahrung von organischem Leben, das Geistesleben ab und führen zu fehlgeleiteten Überzeugungen.
Phänomenologische Naturbetrachtung
Diese erkenntnistheoretischen Grundlagen wirken bis in die konkrete Anwendungspraxis der Politik hinein. Ein rationales Theorieverständnis der Welt in ihrer Gesamtheit und damit des politischen Geschehens kann nur unzureichend sein, da sie das Wirkens von Menschen und ihrer jeweiligen Persönlichkeit abbilden müsste. Dazu ist sie aber nicht in der Lage, da Menschen nicht wie programmierte Maschinen gemäß unveränderlicher Gesetze operieren. Aber da Rationalität konstante Prozesse und Vorhersagbarkeit voraussetzt, widerlegt das Leben und die Natur noch so raffinierte Prognosen jeden Tag aufs Neue.
Ein theoretischer Zugriff auf die Wirklichkeit oder konkrete, politische Prozesse, auch als bewusst limitierte Approximation, verkürzt das Verständnis der Welt um elementare Zusammenhänge. Einzig bewährte Heuristiken können in der Anwendung hilfreich sein. Auch rationalistische Moralurteile sind nur ex-post Rechtfertigungen oder Rationalisierungen, tatsächlich kommen moralische Urteile immer nur aus dem konkreten, auch kulturell bedingtem, Instinkt und Gewissen des Menschen.
Theorie und Wirklichkeit
Die übermäßige Beschäftigung mit Theorien führt auch zu Vergeistigung und dem Absterben der gesunden Instinkte. Damit wird ein zutreffendes Verständnis der Wirklichkeit erst recht verhindert. Denn abstrakte Verstandesschemata scheitern bei ihrer Anwendung immer an der organischen Wirklichkeit. Der Marxismus mit seinem „historischen Materialismus“ beispielsweise wich bei jedem Anwendungsversuch von seiner ursprünglichen Theorie ab und verursachte dennoch größtes Leid und Elend unter den Menschen. Doch meist kommen Intellektuelle und Theoretiker aber gar nicht erst dazu, ihre Theorien an der Wirklichkeit zu erproben, da sie aufgrund ihrer rein geistigen, literarischen oder kulturellen Betätigung meist wenig Einfluss auf das eigentliche politische Geschehen erreichen, im Gegensatz zu Menschen mit politischem Instinkt, den „großen Männern der Geschichte“.
Der Gegensatz zur theoretischen Welterklärung ist die Welt-Anschauung mit ihrer Hervorhebung der konkreten Erfahrung und dem Wert der Intuition aus der Persönlichkeit. Die jeweilige Weltanschauung ist dabei physiologisch in der Persönlichkeit verwurzelt und spiegelt den individuellen sowie den Volkscharakter wieder.
Weltanschauung
Selbstverständlich sind Lektüre und Bildung auch Teil einer Weltanschauung, aber nicht als Mittel zum Erlangen von abstraktem Wissen und um dies schematisch anzuwenden, sondern um konkretes Sachwissen zu erlernen oder die Fantasie anzuregen; gleichwertig oder sogar wichtiger als die Bildung ist aber die Anwendung und Erfahrung, denn die Tat steht über dem Wort. Übermäßige Theoriebildung ist also nicht förderlich, sondern Persönlichkeitsentwicklung und politischer Aktivismus sollten im Vordergrund stehen. Lesen ist eine positive Gewohnheit und sollte nicht bloß dem Abarbeiten eines Lektürekanons dienen.
Auch politische Überzeugungsarbeit erfolgt nicht in erster Linie abstrakt-rational über Bücher, sondern vor allem über Empfindungen und Impulse der jeweiligen Person durch ganz verschiedene Medien und Einflüsse. Deshalb ist die Überzeugungsarbeit mittels Gefühlsansprache so wichtig. Die Identifikation mit einer kollektiven Gemeinschaft wie dem Volk und patriotische Werte kommen nur aus dem Herzen, die Überzeugungsarbeit gleicht deshalb nicht einer sachlichen Meinungsänderung sondern einem emotionalen Paradigmenwechsel.
Aus diesem Grund sind Intellektuelle im politischen Geschehen oft wenig zu gebrauchen, auch wenn es Ausnahmen gibt. Große Ereignisse kommen nämlich durch politische Menschen und historische Personen zustande.