Die Einheit der Deutschen

„Wenn die Deutschen zusammenhalten, so schlagen sie den Teufel aus der Hölle“

Otto von Bismarck

Nur vereint kann Deutschland stark und frei sein. Deshalb sind alle Bestrebungen, Deutsche gegen Deutsche auszuspielen, oder Teile vom Ganzen abzuspalten, aufs Schärfste zu verurteilen. In der Bevölkerung wird zwar die Identifikation mit dem deutschen Einheitsstaat mittlerweile als etwas selbstverständliches betrachtet, aber darüber gerät leicht in Vergessenheit, das gerade diese Einheit das Endergebnis eines langwierigen und mühseligen historischen Prozesses war.

Kleinstaaterei

In der Vergangenheit fand die Deutsche Spaltung anhand von Konfessionen oder landsmannschaftlicher Bindungen statt oder entlang der innerdeutschen Grenzen. Auch wurde sie durch verschiedene, separatistische Bewegungen vorangetrieben. Heutzutage ist aber bedauerlicherweise besonders in den Ländern der ehemaligen DDR, die sich noch eine gewisse Widerständigkeit gegen die Übergriffe des bundesdeutschen Systems bewahrt haben, zu beobachten, dass als Reaktion auf die allgemeinen Verfallserscheinungen wieder die Stimmen nach kleindeutschen Sezessionsbestrebungen lauter werden, da der Westen der Republik schon hoffnungslos verloren sei.

Aber die Abspaltung von einzelnen Gebiete aus dem Gesamtverbund der Nation nützt nur den äußeren Fremdmächten, die nach der bewährten Strategie „Teile und Herrsche“ Deutschland als natürliche Großmacht in Europa zu schwächen versuchen. Es ist also kein Wunder, das der „Säxit“ heute besonders von Teilen der Rechten mit pathologischer Russophilie gefordert wird, da im russischen Machtkalkül, genau wie in dem der USA, seit eh und je kein Platz für eine starkes Gesamtdeutschland und Europa ist.

Separatistische Bestrebungen

In diesen Kreisen wird in Hinblick auf die deutsche Zeitgeschichte oftmals auch eine dem antideutschen Schuldnarrativ ähnliche Rhetorik bemüht, allerdings auf die derzeit amtierenden bundesdeutschen Machthaber und ihre NATO-Interessenpolitik als Personifikation eines angeblichen deutschen „Größenwahns“ oder staatlichen Autoritätsfetischismus angewandt, die damit absurderweise in die Tradition des dritten Reiches gestellt werden sollen. Solche Propaganda unterscheidet sich in ihrer zersetzenden Wirkung nicht von ihrem westlichen Pendant der US-dominierten Kulturindustrie.

Das solche Separatismus-Forderungen gerade von Teilen der Rechten und angeblich im Sinne Deutscher Interessen vorgebracht werden, ist besonders tragisch. Denn durch die Abspaltung einzelner Gebiete vom Deutschen Einheitsstaat würde die bewusste Zerstörung der von Bismarck geschaffene Reichseinheit in Kauf genommen und damit eine der großen Leistungen der Deutschen Geschichte der Neuzeit revidiert werden. Die Ausgliederung einzelner Gebiete wäre eine freiwillig und bewusst verursachte Katastrophe in ähnlicher Größenordnung wie die Deutsche Teilung in Besatzungszonen und später in West- und Ostdeutsche Kleinstaaten durch die Siegermächte des zweiten Weltkrieges. Denn solche Kleinstaaten würden sofort unter den Einfluss der globalen Großmächte fallen.

Begründet wird der neue Separatismus mit der angeblich hoffnungslosen Lage in den alten Bundesländern der Republik. Aber der Deutsche Westen ist nicht verloren, genauso wie der (alte) deutsche Osten. Durch erfolgreichen Aktivismus und das Erringen politischer Gestaltungsmöglichkeiten über Wahlen kann die demographische Todesspirale durch Remigration und pro-natalistische Anreize von staatlicher Seite umgekehrt werden. Dagegen würde die Abspaltung von den wirtschaftlich und infrastrukturschwächeren Regionen der neuen Länder nur die Abhängigkeit von anderen Großmächten bedeuten; die allein Demographie und Migration erfassende Betrachtungsweise verkennt die Bedeutung von Wirtschaftsmacht, Verteidigungsfähigkeit und der Attraktivität eines hohen Lebensstandards. Demographie ist Schicksal, aber nicht allein entscheidend.

Regionalismus

Die Idee einer politischen Organisation unterhalb der Größe der Nation ist aber auch auch als Regionalismus bei Vordenkern der Neuen Rechten zu finden. Hier wird zwar nicht die Abspaltung einzelner Gebiete aus dem Nationalverbund gefordert, sondern die Betonung auf regionale Eigenheiten in einem meist europäischen Ordnungsrahmen gelegt, so das Folklore und Lokalkolorit über nationale politische Belange gehoben werden. Doch die regionalen Unterschiede sind heute weit weniger ausgeprägt als früher, gegenüber der großen Gemeinsamkeit der Nation. Seit dem 19. Jahrhundert sind die Unterschiede auch auf natürlichem Wege eingeebnet worden und das Bewusstsein über die weitaus wichtigere gemeinsame Kultur und Abstammung hat sich durchgesetzt.

Die übermäßige Betonung von Regionalidentitäten kann im schlimmsten Fall einen Rückfall zu Kleinstaaterei und Bruderzwist bedeuten. Innere Zerstrittenheit ist ein altes Motiv der deutschen Geschichte und nicht ohne Grund haben historische Persönlichkeiten oft den Titel „Der Große“ von ihren Nachkommen zugesprochen bekommen, wenn sie eine bedeutsame Vereinigungsleistung vollbracht haben. Der Regionalismusgedanke wird meist als Komplementärgröße zur größeren, europäischen Identität angeführt. Das Ideal einer europäischen Vereinigung ist an sich auch eine erstrebenswerte außenpolitische Zielsetzung. Aber im Kontext dieser Vereinigung sollte die nationale Identität im starkem und gemeinsamen Europa im Vordergrund stehen, und nicht regionale Partikularidentitäten.

Das Ziel kann also keine „DDR 2.0 ohne Ausländer“ sein, oder eine Rückbesinnung auf regionale Besonderheiten, sondern ein starkes Gesamtdeutschland in Europa.

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