Ein wesentlicher Bestandteil der Kultur und des Geisteslebens eines Volkes ist seine Religion. Obwohl die Religiosität der Bevölkerung über Ländergrenzen hinweg im westlichen Abendland kontinuierlich zurückgeht, ist das Christentum auch weiterhin die historische gewachsene Religion und ein Teil des authentischen Sein-Zugriffs der europäischen Völker. Allerdings wird innerhalb der Rechten die gegenwärtige Misere vielfach auch dem christlichen Glauben angelastet. Die Christianisierung Europas vollzog sich allerdings organisch als eine kontinuierliche Fortsetzung des klassischen Erbes des europäischen Altertums und als kulturelle Höherentwicklung. Deshalb ist der christliche Glaube nicht nur geschichtlich nicht von Deutschland und Europa zu trennen, sondern nimmt auch in der Gegenwart einen wichtigen Platz als lebendiger Bestandteil im Geisteslebens der Deutschen Kultur ein.
Heidentum
Tatsächlich ernstgemeinte Versuche, das historische Heidentum in der Gegenwart wiederzubeleben, sind zum Scheitern verurteilt, da der authentische Geist dieses vergangenen Sein-Zugriffs sich längst im europäischen Menschen gewandelt hat. Dies stellt aber keine Degenerationserscheinung dar, denn die vitalen Elemente des germanisch-europäischen Heidentums sind dereinst im christlichen Glauben aufgegangen, wie etwa die Kontinuität der germanischen Gottheit Baldur zu Jesus als göttliche Lichtgestalt aufzeigt. Im Gegenteil, die Christianisierung stellte einen Fortschritt zu höherer Kultur und gewachsener Humanität in Europa dar. Der christliche Humanitätsgedanke entspricht weitaus mehr dem europäische Moralinstinkt als der frühere, heidnische Glaube unserer Vorfahren.
Auch die Behauptung einer angeblichen „Arteigenheit“ des germanischen Heidentums im Kontrast zu dem aus dieser Perspektive kulturell fremden Christentum, das nur mit Feuer und Schwert verbreitet worden sei, ist in Anbetracht der vielfältigen Einflüsse europäischer Kultur, vor allem der klassischen, griechischen Philosophie, auf die Genese des christlichen Glaubens nicht besonders plausibel. Den christlichen Monotheismus griff bereits der Platonismus vorweg und der historische Jesus lebte als mutmaßlicher Nachkomme gallischer Stämme in einer römischen Provinz. Auch die christliche Theologie der Spätantike wurde von griechischen und römischen Gelehrten sowie dem religiösen Empfinden der Germanenstämme bestimmt.
Das gegenwärtige „Aufleben“ des Heidentums bei einigen wenigen Intellektuellen und im Internet ist nur eine weitere Verfallserscheinung aus den derzeitigen Verirrungen heraus, gewissermaßen ein reaktionärer, atavistischer Rekurs auf eine vermeintlich gesündere und idealisierte Vorzeit. Somit bleibt das Neuheidentum nicht mehr als ein unbeseelter larp mit den stückweise historisch rekonstruierten, äußeren Formen dieser alten Religion und willkürlich kombinierten Inhalten ohne innere Verbundenheit. Ähnlich sind auch ein pseudo-abgeklärter Atheismus oder szientistischer Materialismus weitere Negativerscheinungen der Gegenwart, da diese konsequent zu Ende gedacht nur zu Hedonismus, fatalistischem Glauben an kausale Determiniertheit und plumpen, positivistischen Welterklärungsmodellen der Naturwissenschaft wie dem Darwinismus führen.
Heldenhaftes Christentum
Auch die Behauptung, das Christentum sei ein „schwacher“ Gaube, ist nicht besonders überzeugend, da das Christentum über tausend Jahre hinweg ein wichtiger Bestandteil der europäischen Verteidigung gegen die Expansionsbestrebungen des Islam war. Die Polemik etwa eines Friedrich Nietzsches gegen die angeblich inhärente moralische „Schwäche“ des Christentums verkennt so nicht nur die Tatsache, dass sich das Christentum etwa im mittelalterlichen Ritterstand auch mit den heroischen und kämpferischen Werten der Germanen als kompatibel erwiesen hat. Sie ignoriert auch die Bedeutung des humanitären Gedankens innerhalb einer religiösen Lehre, die in einem politischen Kontext die Vereinigung unter einem einheitlichen Banner und die Gnade gegenüber den Besiegten ermöglicht hat.
Der heidnische Glaube der germanischen Stämme hätte niemals dem vereinigten Andrang des religiös-monolithischen Blocks des Islam widerstehen können, ohne eine ähnliche universale Gemeinsamkeit in Form des Christentums zu besitzen. Und auch der mittelalterliche Reichsgedanke ist nicht von der Christianisierung der Germanenstämme zu trennen, die zuvor in einem tribalistischen Kampf untereinander verwickelt waren. Es bleibt die historisch Leistung des Christentums, die verschiedenen Germanenstämme dauerhaft vereinigt haben zu können und damit der Gründung der Deutschen Nation Vorschuss geleistet zu haben. Das Christentum bot auch eine Gemeinsamkeit, mit der Europa zumindest zeitweise geeinigt werden konnte, sei es während der Kreuzzüge gegen den Islam oder während der Verteidigung gegen den Kommunismus. Trotz der modernen Säkularisierung bleibt diese kulturelle Gemeinsamkeit ein politisch relevanter Bezugspunk.
Der Glaube in der Moderne
In der Moderne stellt das Christentum als metaphysische Religion eine Abkehr vom weitverbreiteten Materialismus und in protestantischer Form einen Partikularismus gegen den abstrakten und nivellierenden Universalismus dar. Entgegen der weitverbreiteten, konservativen Kulturkritik ist die Moderne als Epoche auch nicht grundsätzlich abzulehnen, sondern ein ambivalentes Phänomen mit vielen durchaus positiven Errungenschaften. Der Forscherdrang als Teil des kulturellen Instinkts des europäischen Menschen führte zur Philosophie der Aufklärung, dem historisch einmaligem Fortschritt in den Naturwissenschaften, der Erhöhung des Lebensstandards, der Demokratisierung und Nationalisierung in der Politik, der Trennung von Staat und Kirche und vielen weiteren Entwicklungen. Die negativen Begleiterscheinungen der Moderne sind dieser Epoche nicht inhärent, sondern können durch alternative politische Maßnahmen eingehegt und positiv umgeleitet werden. Ein rückwärtsgewandter Konservatismus als Reaktion gegen diese Entwicklungen und in totaler Opposition zur Moderne kann dagegen kein angemessener Weg sein, da die Erhöhung von Tradition über diesen europäischen Forscherdrang der westlichen Kultur nicht angemessen ist. Eine grundsätzlich andere Politik, die das Volk und die Kultur an erste Stelle setzt und in diesem Rahmen auch die christliche Religion mit umfasst, bedeutet dagegen die Abkehr von den modernen Missständen ohne gleichzeitig die positiven Errungenschaften dieser Epoche abzulehnen. Das Christentum ist auch keine Entfremdung von den eigenen Instinkten und der Natur, sondern eine durch den Glauben vermittelte religiöse Erfahrung, Teil von Natur und der Schöpfung zu sein.
Deshalb ist die christliche Erlösungslehre auch heute noch eine geistige Stärkung um die Härten des Daseins zu meistern. Allerdings sollte sich der Wirkungskreis organisierter Religion nur auf das Jenseits beschränken und die Erlösung des Einzelnen durch göttliche Gnade als einen seelischen Wandel begreifen, der sich nicht direkt in der Politik oder der Wissenschaft niederschlägt. Dies ist seit der Moderne bereits der Fall, war in der Vergangenheit aber keine Selbstverständlichkeit. Denn erst im Zuge der Reformation und der Aufklärung konnte die Beeinflussung der modernen Naturwissenschaften durch die damalige, dogmatischen katholische Kirche und ihre Doktrin beendet werden, um so den europäisch-germanischen Geist von dieser Bevormundung zu befreien. Und der Einfluss katholischer Prediger auf das politische Geschehen in Deutschland wirkte noch bis in das 20. Jahrhundert hinein fort. Auch die gegenwärtige politische Instrumentalisierung des Christentums zu linken und antideutschen Zwecken ist nur eine weitere Facette des politischen Systems der Bundesrepublik, das sämtliche Instanzen der bundesdeutschen Zivilgesellschaft in seine Ambitionen mit einspannt und in einem zukünftigen Deutschland umgekehrt werden könnte.
Konfessionelle Unterschiede
Die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Christlichen Glaubens befanden sich lange Zeit in einem inneren Widerstreit, der sich im 17. Jhdt. katastrophal im Dreißigjährigen Krieg entlud. Aber durch den zurückgegangenen Einfluss organisierter Religion und Kirchen in der Politik haben diese Unterschiede die Form von theologischen Differenzen angenommen, die im Rahmen einer gemeinsamen Kultur nebeneinander existieren können, ohne erneut innerdeutsche Spaltung zu riskieren. Das reformierte, säkularisierte Christentum des Protestantismus ist als auf das Jenseits und persönliche Gotteserfahrung beschränkter Glaube durchaus mit einer nationalen Politik kompatibel, die auch die Unterschiede des Menschen im Diesseits und seine Unterteilung in Völker und Kulturen beinhaltet. Auch ist die christliche Religiosität im reformierten Sinne kein Hindernis für eine funktionsorientierte Nutzbarmachung der Technik und Wissenschaft in der Welt. Der Katholizismus dagegen bietet dem Einzelnen die Integration in eine traditionelle Gemeinschaft von Gläubigen, deren Wertvorstellungen eine Abkehr vor den Verirrungen der Gegenwart bieten und dessen Riten über ein Jahrtausend Deutscher und Europäischer kultureller Entwicklung widerspiegeln.
Diese konfessionellen Unterscheide sollten heute aber persönlicher Natur sein und nie wieder Grund für politischen Zwist zwischen Deutschen und Europäern bieten, sodass „Jeder nach seiner Facon selig werde“.