Durch die Kleidung wird das Innere des Trägers nach außen getragen und so seine Haltung sowie seine Überzeugungen offenbart. Zum Äußeren gehört dabei nicht nur die Kleidung selbst, sondern auch die Frisur und das allgemeine Auftreten einer Person. So wird durch die Kleidung unterbewusst ein Eindruck vermittelt, der die wichtige Gefühlsansprache bedient. Denn häufig ist der Eindruck des Sprechers wichtiger als der Inhalt seiner übermittelten Botschaft selbst. Im politischen Kontext der patriotischen Opposition und besonders bei der Jugend sind deshalb die getragene Kleidung und das Auftreten bei der Außendarstellung, die sogenannten optics, besonders wichtig, da so die propagierte Botschaft entweder bekräftigt oder in Frage gestellt wird. Aber eine authentische Außendarstellung muss sich organisch ergeben und kann nicht von oben herab verordnet werden.
Larp und andere Sackgassen
Das geltende Uniformverbot in der Bundesrepublik macht ein vollkommen einheitlich gekleidetes Auftreten im politischen Kontext unmöglich. Das ist aber insofern nicht weiter schlimm, da politische Uniformierung ein anachronistisches Relikt aus der Vergangenheit ist, ebenso wie die Verkleidung mit historischen Kleidungsstücken. Solcher larp wirkt im politischen Aktivismus befremdlich und unzeitgemäß. Aber auch ein uniformiertes Auftreten mit zeitgemäßen Kleidungsstücken würde allgemein abschreckend und militaristisch auf die Normalbevölkerung wirken und ist deshalb abzulehnen. Auch die Verwendung militärischer Uniformteile verbietet sich wegen der Rechtslage und der katastrophalen Außenwirkung vollständig. Nur in besonderen Situationen, etwa auf Demos, kann das Auftreten als black bloc sinnvoll sein oder sich die teilweise Verwendung von Masken und Schals zur Vermummung beim Aktivismus anbieten.
Bei der Wahl der getragenen Kleidung sollte aber nicht nur auf die positive Wirkung nach außen geachtet werden, sondern auch ihre Funktionalität im Alltag und während des politischem Aktivismus berücksichtigt werden. Es bietet sich im Übrigen an, aus Sicherheitsgründen und um ungewollte Wiedererkennung zu vermeiden, nicht die vollständig identischen Kleidungsstücke beim Aktivismus und im Alltag zu tragen. Da aber sowohl der Preis einer eigenen Aktivismusgarderobe für die meisten nicht erschwinglich sein dürfte, sowie die anzustrebende Alltagsnähe der im politischen Kontext getragenen Kleidung auch ihre normale Benutzung nahelegt, wird es hier zu Überschneidungen kommen, was aber bei regelmäßigem Kleidungswechsel in verschiedener Kombination kein Problem darstellen sollte.
Als Angehöriger einer Volksbewegung sollte die getragene Kleidung auch die Verbundenheit mit der Bevölkerung ausdrücken und nicht seltsam hervorstechen. So führt das alleinige Tragen von Bekleidung besonderer Marken und ungewöhnlichen Kleidungsstücken oder Erkennungsmerkmalen einer Subkultur unweigerlich in die Sackgasse von Szenebildung und damit zum Ende der Volksnähe und der politischen Beeinflussungsmöglichkeiten. Dies war in der Vergangenheit bei rechten Jugendbewegungen besonders bei den Skinheads der Fall. Der in dieser Szene exzessiv gepflegte Alkoholismus sowie asoziale Verhaltensweisen haben so ihre selbstverschuldete Abgrenzung noch weiter zementiert.
Casual fit
Heutzutage hat sich in den patriotischen Aktivistengruppen und Jugendorganisationen der casual Kleidungsstil mit Jeans und Sporthose, T-Shirt und Trainingsjacke, Turnschuhen und Basecaps sowie einem sportlichen Haarschnitt allgemein durchgesetzt. Der Einfluss aus dem ergebnisorientierten Fußballumfeld ist dabei unverkennbar. Dieser Kleidungsstil ist ein über den politischen Raum in die unpolitische Normalbevölkerung hereinreichendes Modephänomen und bietet deshalb Zeitgemäßheit und Anknüpfungsmöglichkeiten für politisch Unbeteiligte. Außerdem ist er funktional und praktikabel für den politischen Aktivismus und vermittelt Sportlichkeit und Dynamik. Bei besonderen Anlässen, oder falls die Berufswahl dies verlangt, sollte aber ein Anzug getragen werden. Anzüge vermitteln Seriosität und Kompetenz, und sind deshalb auch für Berufspolitiker in den Parlamenten unabdinglich. Im Alltag kann ein Anzug aber auch prätentiös und over-dressed oder steif und spießig wirken und deshalb kann Erwogen werden, dem Anlass entsprechend auch eine mehr legere business casual Variante zu tragen.
Allgemein sollte aber bei jedem Anlass und mit allen getragenen Kleidungsstücken auf ein gepflegtes und ordentliches Äußeres geachtet werden. Sportlichkeit und körperliche Fitness des Trägers sind ebenfalls ein Teil des positiven Gesamteindrucks. Letztlich ist es aber eine individuelle Entscheidung, was jeder Einzelne für Kleidung anzieht oder auch nicht. Was aber modisch und zugleich funktional ist, wird sich mit der Zeit von alleine durchsetzen und durch Imitation weiter verbreiten.