Rezension: EuropaPowerbrutal

„Wir gewinnen immer“

EuropaPowerbrutal von John Hoewer aus dem Jungeuropa Verlag ist ein explosiver Roman und eine gelungene Milieuskizze über den patriotischen Widerstand in Deutschland und Europa. Der Roman folgt der Perspektive eines bundesdeutschen Normalbürgers bei seiner Reise für eine Reportage über rechte Subkulturen durch verschiedene Städte in ganz Europa. Dabei gelingt es dem Buch hervorragend, das Lebensgefühl patriotischer Aktivisten authentisch zu schildern, auch wenn die Beschreibung aus einer fingierten Perspektive „von außerhalb“ kommt. Dennoch offenbart die Schilderung der Ereignisse vor Ort eine intime Kenntnis des Autors mit den beschriebenen Städten und ihrer jeweiligen Szene.

Die Handlung führt den Protagonisten von Deutschland aus nach Frankreich, Italien und Österreich. Nach diesen Reiseabschnitten ist auch die Gliederung des Buches angelegt. Die jeweiligen länderspezifischen Besonderheiten bilden ein buntes Panorama der rechten und patriotischen Milieus in Europa. Abgedeckt werden dabei unter anderem das burschenschaftliche Umfeld in Österreich, den Identitären ähnelnde Strukturen in Deutschland und Frankreich sowie das Projekt casa pound in Italien. So werden einige der vitalsten und interessantesten Strukturen in ganz Europa dargestellt.

Auf seiner Reise erlebt der Protagonist einige wahnsinnige Eskapaden. Bei manchen der beschriebenen Ereignisse ist es fraglich, ob sie tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wieder anderes wirkt durchaus plausibel. Diese gelungene Verknüpfung von „Dichtung und Wahrheit“ in der Romanhandlung macht das Buch spannend zu lesen und enthält einige überraschende Wendungen. Falls der Leser mit den beschriebenen Strukturen selber vertraut ist, ist es gut möglich, das manche der beschriebenen Ereignisse an eigene Erfahrungen erinnern.

Obwohl die Hauptfigur der Romanhandlung den beschriebenen Strukturen nicht selbst angehört, wird durch den Roman eine besondere Facette des aktivistischen lifestyles beschrieben, nämlich das Reisen. Für den Protagonisten gehört der Besuch der verschiedenen Städte zu seiner Arbeit an einer Reportage. Für die Angehörigen der dargestellten Milieus ist das Reisen zu Demonstrationen, Veranstaltungen oder zum Besuch bei Freunden aber immer mit der politischen Tätigkeit verbunden. Allein schon wegen der Beschreibung der verschiedenen Städte und ihres jeweiligen Ortscharakters ist das Buch lesenswert.

Mit dem Reisemotiv und der Hervorhebung der jeweiligen aktivistischen Lebensart trifft der Autor ein wichtiges Element der Kultur des politischen Widerstandes. Denn zur Weltanschauung gehören nicht nur „ernste“ Themen wie Aktivismus, Sport und die Arbeit in Parteien oder anderen Organisationen, sondern auch gemeinsame Feiern, Reisen oder Aktivitäten nur zum Spaß. Erst dadurch wird eine oppositionelle Gegenkultur lebendig und zieht Menschen nicht nur über ihre Inhalte an, sondern auch gefühlsmäßig.

Der gefühlsmäßige Zugang ist nämlich eine der größten Stärken des patriotischen Lagers gegenüber dem herrschenden linksliberalen Mainstream. Entspannte Gelassenheit und robuster Optimismus, der bisweilen vielleicht ein wenig derb daher kommt, sind weitaus anziehender als der verklemmte und Kontrollzwängen unterworfene Habitus marxistischer Käfermenschen. Die Schilderung dieser genuin rechten Lebensart gelingt dem Autor sehr gut.

Peinlich ist dagegen der exzessive Alkoholismus, dem sowohl der Protagonist als auch die meisten seiner Bekannten frönen. Aber auch das gehört leider zur Szene und ist ist deshalb immerhin authentisch. Dazu gelingt dem Autor stellenweise die große Leistung, Burschenschaftler fast cool erscheinen zu lassen.

Der Roman liest sich flott und ist spannend geschrieben, stellenweise ist er auch urkomisch. Die Handlung und das humoristische Element allein schon würden den Roman auch für ein breiteres Publikum außerhalb der Rechten interessant machen. Durch den Prosastil ist das Buch leichter zugänglich als ein Theoriewerk und wird so dem behandelten Stoff auch gerechter. Auch das Buchcover ist gelungen, obwohl eine club mate anstelle des Aperol natürlich besser gewesen wäre.

John Hoewer. EuropaPowerbrutal. 360 S., Pb, 18,00 Euro, Jungeuropa, Dresden 2021.

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