Der Erfolg von politischen Ambitionen hängt von der Überzeugungskraft ihrer Ideen und ihrer Wirkung nach außen ab. Da der Mensch aber kein rational handelndes und abwägendes Wesen ist, sollte eine Überzeugung primär auf der Gefühlsebene stattfinden. Bei Debatten und Texten erfolgt die Gefühlsansprache vor allem auf rhetorischer Ebene, in der mehr emotionalen, optischen Wahrnehmung unter Anderem durch Bilder, Kleidung und Farbauswahl. Darum sind gute optics so wichtig für die Außendarstellung und Werbung potentieller Unterstützer und Anhänger.
Optics
Eine ansprechende Außendarstellung setzt in der Findungsphase Kreativität und guten Geschmack voraus. Außerdem kann sie nicht als Kopfgeburt erdacht und dann verordnet werden, sondern muss sich organisch aus der Gemengelage ergeben. Kreative Gestaltung ist nämlich mehr genialische Intuition aus dem Unterbewusstsein heraus als kühle Überlegung. Sobald aber die Außendarstellung dann als authentischer Ausdruck eines Lebensgefühls geboren ist, bedarf es keiner weiteren Vorgaben mehr, denn die Form überzeugt aus eigener Kraft heraus ohne Zwang von außen.
Bei Massenbewegungen dagegen muss eine gute Außendarstellung durch Selbstdisziplin und Kontrollinstanzen gewährleistet werden, vor allem aber durch vorbildhaftes Auftreten der Repräsentanten. In Kleinstgruppen reicht noch ein Spruch über das ungepflegte Auftreten eines Kameraden aus, genauso wie positives, attraktives Auftreten imitiert wird. Bei dem Gefolge einer parlamentarischen Partei kann dies aber nur effektiv bei Funktionsträgern sichergestellt werden. Die übrigen Anhänger sollten auf Fotos zumindest nicht in der ersten Reihe zu sehen sein.
Auch die skandierten Sprüche und Parolen bei Demos oder auf Plakaten wirken ansprechend und überzeugend, wenn sie den normalen Menschen mit seinen Problemen und Sorgen da abholen, wo er gerade steht. Dazu gehört, dass die nach außen transportierten optics zeitgemäß sein müssen.
Abstoßendes Erscheinungsbild von Teilen der Rechten
Wer dagegen Kleidung trägt, die an die 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert und eine entsprechende Symbolik bemüht, betreibt Larp und weckt nur Misstrauen oder Irritation. Das statische Festhalten an vergangene Formen kreativen Ausdrucks offenbart geradezu ein Fehlen wirklich authentischer Kultur und Schaffenskraft. Das gilt nicht nur für die optics, sondern auch für die verwendete Rhetorik.
Doch leider beziehen sich manche Personalien und Organisationen innerhalb der breiteren Rechten in ihrer Rhetorik und ihrem Auftreten permanent mehr oder weniger explizit auf den Nationalsozialismus. Nicht nur vermittelt dies keine authentische Auseinandersetzung mit der Materie, sondern gerade die Affinität zu den besonders verbrecherischen Elementen dieser Zeit wirkt besonders abstoßend. Der Deckmantel der Ironie hinter dem dies geschieht vermindert vielleicht die juristischen Folgen, zieht die Beteiligten aber noch zusätzlich ins Lächerliche und zerstört jede ernsthafte Glaubwürdigkeit.
Die daraus folgende selbstverschuldete Abgrenzung in subkulturelle Milieus ist eine Sackgasse für alle politischen Ambitionen. Die „revolutionäre“ Militanz als Strohhalm um diese Handlungsunfähigkeit zu bewältigen kann gegen das politische System nicht ankommen und ist auch aus ethischer Sicht abzulehnen.
Außerhalb solcher Strukturen kann die Imitation von solchen destruktiven Verhaltensweisen im Spaß oder „unter sich“ die Biographie von Einzelnen oder ganze politische Projekte gefährden, da die Behörden oder Antifa-Denunzianten auf jede sich bietende Gelegenheit warten. Genau wie das Overtonfenster die Grenzen des Sagbaren in der Öffentlichkeit verschiebt, führt unattraktives Verhalten intern erst im Spaß am Ende zu unnötigen Komplikationen. Sich an historischen Ereignissen vor fast hundert Jahren unnötig emotional aufzuhängen ist kontraproduktiv, und wer diese Bezugspunkte nicht lösen kann hat in einer ernsthaften politischen Ambition nichts verloren.