Straßenaktivismus

Sozusagen als disclaimer vorab, sämtliche Ausführungen in diesem Artikel beruhen allein auf Beobachtungen von Straßenaktivismus der linken Seite. Aus keinen Fall wird hiermit zu Straftaten wie Sachbeschädigung aufgerufen.

Um zu erfahren, wie sich politische Überzeugungen in die breite Öffentlichkeit tragen lassen, ist es manchmal hilfreich, einen Blick über den eigenen Tellerrand hin zur Gegenseite zu werfen. Denn die aktivistische Linke beherrscht an den meisten Orten das Straßenbild. Ihre Aufkleber, tags, Graffitis und Klebeplakate sind an jeder Straßenecke zu sehen. Aus der Wirkung dieser Allgegenwart lassen sich aber allgemeine Lehren für die politische Tätigkeit ziehen. Auch wenn sich der patriotische Aktivismus nur auf das Entfernen von Stickern und das Verbreiten von Flyern zu beschränken hat.

Straße und Internet

Der Internetaktivismus, als online-Pendant zum Straßenaktivismus, hat seine Berechtigung, seine Vorteile, aber auch seine Grenzen. Deshalb stellen Aktivismus auf der Straße und im Internet keinen Gegensatz zueinander dar, sondern ergänzen sich harmonisch und decken auf unterschiedliche Weise verschiedene Bereiche der Öffentlichkeit ab. So kann sich jeder je nach persönlichem Geschmack und Befähigung aktivistisch für Deutschland einbringen.

Im Gegensatz zum Netzaktivismus lässt sich Straßenaktivismus nicht ignorieren oder in der Online-Filterblase ausblenden, wie dies auf den großen social media Plattformen gang und gäbe ist. So können auch Menschen erreicht werden, die nicht primär über das Internet ansprechbar sind oder kaum politische Inhalte konsumieren. Ein „Refugees Welcome“ Aufkleber an einem Nadelöhr an einem Hauptbahnhof etwa, durch das jeden Tag tausende Pendler strömen, oder ein hingeschmiertes Hammer-und-Sichel-tag im Fitnessstudio werden auch von Menschen wahrgenommen, die sonst kaum mit dem politischen Geschehen in Berührung kommen. Die Wirkung ist um so einprägsamer, wenn die Motive nicht direkt entfernt oder durch andere Werbung konterkariert werden.

Durch die Allgegenwärtigkeit von erfolgreich verbreitetem Propagandamaterial wird der Eindruck von Normalität erweckt. Aufkleber und Graffitis haben dabei dieselbe Wirkung wie von Unternehmen geschaltete, professionelle Werbereklame und Anzeigen, da sie eine politische Botschaft transportieren und diese dadurch normalisieren. Die Botschaft und die optische Gestaltung des Materials sollte dabei entsprechend gestaltet sein. Wichtig sind kurze und einprägsame Slogans, eine bildhafte Sprache, Symbolik mit Wiedererkennungswert, ansprechende Farbgebung und ein dem Zielpublikum angepasstes Argumentationsniveau. Ebenso wie im Marketing gilt auch in der Verbreitung von Werbe- und Propagandamaterialien „Klotzen nicht Kleckern“, denn durch massenhafte Verbreitung von Material lassen sich ebenso massenhaft Menschen ansprechen.

Mittel und Wirkung

Weiterhin braucht man für den Straßenaktivismus keine technische Infrastruktur oder besondere Begabung für Onlinediskussionen oder Bildbearbeitung, wie sie aber für erfolgreichen Netzaktivismus essentiell sind. Aufkleber, Sprühdosen und Plakate sind leicht zu beschaffen und reichen aus, um in der Öffentlichkeit wirksam zu werden.

Wie oben erwähnt, können patriotische Aktivisten diese Mittel aufgrund der Rechtslage nicht uneingeschränkt nutzen. Denn Narrenfreiheit wie die Linke kann eine authentische Opposition nicht erwarten. Dennoch lässt sich allein durch das Entfernen von Werbematerialien des politischen Gegners und durch das Verbreiten von Flyern ein ähnlicher Effekt erzielen oder zumindest der Wirkungsgrad der gegnerischen Propaganda abschwächen.

Aber Straßenaktivismus benötigt auch Überwindung. Denn allein oder in kleinen Gruppen nachts und in der Dämmerung loszuziehen, um für gesellschaftlich geächtete Ideen aktiv zu werden, erfordert Mut. Als worst case drohen Anfeindungen und soziale Ächtung oder sogar körperliche Angriffe. Doch gerade dieses Risiko fördert positive Charaktereigenschaften, die auch in anderen Bereichen der Politik und im Leben allgemein nützlich sind. Und dieses Risiko funktioniert so auch als ein Kontrollmechanismus, um keine weltfremden Forderungen oder zu radikalen Inhalte zu verbreiten, wie es mancherorts im Internet leider der Fall ist.

Aktivismus formt den Charakter

Deshalb bietet der Straßenaktivismus auch eine gute und produktive Kanalisation von jugendlichem Aktivitätsdrang. Aber neben dem Nervenkitzel des Augenblicks sind Beharrlichkeit und Geduld ebenso wichtig, da der politische Kampf langwierig ist und von Rückschlägen gesäumt wird. Die Überzeugungsarbeit mit neuen Ideen kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Weil in Großstädten die Wirkung von Aktivismus durch ein vielfach größeres Publikum wahrgenommen wird, ist der Straßenaktivismus hier weit erfolgreicher und deshalb notwendig.

Wir sehen uns auf der Straße!

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